Auf der "Reeperbahn"

Die eigene Herstellung von Seilen, "Tauen" oder "Reepen", wie sie auch immer örtlich unterschiedlich genannt werden, ist heute durch die maschinelle und dadurch kostengünstige Herstellung völlig in den Hintergrund getreten. Die "Gerätschaften" zur Eigenproduktion scheinen zwar simpel sind aber vielfältig durchdacht und für kleine Herstellungsmengen noch vor fünfzig Jahren auf fast jedem Hof zu finden gewesen.
Hier zeigen Hermann und Hans-Reimer wie man einen "Reep" (kurzes Tau zum Anbinden z.B. von Rindern) oder auch "Halter" (zum Führen von Tieren) genannt herstellt.

Zuerst werden vier Schnüre in die Apparatur zwischen Haltebock und Drehgestell eingehängt.
Die Stärke des Endprodukts läßt sich über einzelne oder doppelte Schnüre variieren.

Das mit "Planeten-Getriebe" ausgerüstete Drehgestell ist eine Erleichterung beim Verdrehen der Schnüre. Ich kenne diese Art Drehgestellt noch von meinem Großvater, dort waren zwei Holzscheiben mit Winkelhaken (für die Schnüre) miteinander verbunden und erfüllten ohne Übersetzung (wie beim Planeten-Getriebe) die gleiche Funktion (nur etwas mühseliger).







Während Hermann die "Verdrehung" durchführt wird von Hans-Reimer ein "Gleitschuh" so zwischen den vier Schnüren geführt, dass sich die einzelnen Stränge nicht ungewollt verheddern und somit dem Verdrehungseffekt entgegen wirken würden.
Die Länge der gesamten Schnüre (Reep) wird durch die Verdrehung der einzelnen Schnüre immer kürzer, hier zu erkennen durch den beweglich angeordneten Haltebock, der in Richtung Drehgestellt "mitwandert".

Nach dem Aushaken werden die Enden "gespleißt" um somit ein Selbstauflösen zu verhindern.





Ein Ende des Reeps bekommt eine Schlaufe um das Maul der Tiere hier später hindurch zuführen, dann braucht man nur das andere Ende hinter den Ohren über den Hals zuführen und in der Schlaufe unten durch zu ziehen. Somit ist ein sehr einfaches Haltegeschirr (daher der Name "Halter") erstellt und gebrauchsfertig. Je nach Größe der Schlaufe sind hier Reeps bzw. Halter für Kühe, Bullen und Kälber entstanden.


Das Material wird heute von Resten der Rundballenpresse (jetzt meist Kunstoffschnüre) und früher von den Stroh- und Heupressen- und davor von den Kornbinderbändern aus Sisal gewonnen.



Dr. Arnold vom "Museum für Archäologie und Ökologie in Dithmarschen" aus Albersdorf hat in seiner Ausstellung - "Binsen, Bast und Brennessel" zum Thema "Zwirnen mit Rohstoffen aus der Vor- und Frühgeschichte" gezeigt, wie die gleiche Technik der Tau- bzw. Reepherstellung in der Steinzeit funktionierte. In mehreren Kursen konnte man diese Technik unter Anleitung von Dr. Arnold und Anne Reichert (Experimental Archäologin) erlernen.

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